13.06.2026. Eine große Studie zeigt das Ausmaß psychischer Belastung. Die Zahl betroffener Menschen hat sich seit 1990 fast verdoppelt. Auffällig ist der Anstieg bei Angststörungen und Depressionen. Die Apotheken Umschau berichtet.
Weltweit leben fast 1,2 Milliarden Menschen mit einer psychischen Erkrankung, das entspricht etwa jedem siebten Menschen auf der Erde. Die absoluten Zahlen haben sich seit 1990 fast verdoppelt, wobei in dem Zeitraum auch die Weltbevölkerung gewachsen ist: von ca. 5,3 Millarden auf acht Milliarden. Das zeigt die „Global Burden of Disease“-Studie, die im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht wurde. Forschende des Institute for Health Metrics and Evaluation sowie der Universität Queensland haben für die Studie Daten aus dem Zeitraum von 1990 bis 2023 ausgewertet. Es handele sich um die bislang umfangreichste Auswertung ihrer Art, bei der 204 Länder und Gebiete, 25 Altersgruppen sowie geschlechtsspezifische Unterschiede berücksichtigt wurden.
Psychische Erkrankungen seien weltweit die häufigste Ursache dafür, dass Menschen mit einer dauerhaften Beeinträchtigung lebten – also eingeschränkt sind, ohne daran zu sterben.
Die Studie untersuchte zwölf verschiedene Störungsbilder, darunter: Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS, Schizophrenie.
Frauen und junge Menschen am stärksten betroffen
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Frauen und junge Menschen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren besonders häufig von psychischen Störungen betroffen sind. Der Anstieg der Zahlen sei insbesondere auf eine Zunahme von Angststörungen und schweren Depressionen zurückzuführen. Seit dem Jahr 2019 habe es 24 Prozent mehr Depressionen gegeben, während Angststörungen um 47 Prozent angestiegen seien. Ihren jeweiligen Höchststand hätten beide Erkrankungen in den Jahren nach der Corona-Pandemie erreicht.
Die gesundheitliche Last durch psychische Erkrankungen ist laut den Forschenden in allen Ländern der Welt hoch. Dennoch hänge die genaue Ausprägung deutlich vom Entwicklungsstand der jeweiligen Region ab. Einkommensstarke Gebiete wie Westeuropa verzeichneten einige der weltweit höchsten Belastungsraten.
Anstieg auch durch Bevölkerungswachstum erklärbar
Der Anstieg erkläre sich vor allem durch Bevölkerungswachstum und eine ältere Weltbevölkerung, nicht allein durch eine tatsächliche Zunahme der Erkrankungsrisiken, schreiben die dänischen Psychiaterinnen Merete Nordentoft und Mette Falkenberg Krantz in einem die Studie begleitenden Kommentar im Lancet. Wenn man die Bevölkerungsentwicklung herausrechne, hätten sich die Erkrankungsraten demnach nur moderat verändert.
Auch der Psychologe Jorge Aguado vom Clínic Hospital in Barcelona äußert sich gegenüber dem spanischen Science Media Center zurückhaltend. „Diese Daten sollten mit Vorsicht interpretiert werden. Der beobachtete Anstieg könnte auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, wie demografische Veränderungen, verbesserte Erfassung oder die Auswirkungen von COVID-19, und nicht unbedingt auf einen tatsächlichen Anstieg der Fallzahlen.“
Weckruf für bessere Prävention
Dennoch werden die Ergebnisse ernst genommen. „Die Daten sind ein unmissverständlicher Weckruf an die Regierungen, Maßnahmen zur frühzeitigen Prävention, auf junge Menschen und Frauen zugeschnittene Versorgung sowie echte, koordinierte Investitionen in die psychische Gesundheit zu ergreifen“, sagt Elisabet Domínguez, Psychologin und Doktor der Pharmakologie am Hospital de Sant Pau in Barcelona gegenüber dem spanischen Science Media Center. Frühzeitige Interventionen wie Schulprogramme, Vorsorgeuntersuchungen in der Primärversorgung oder Unterstützung für Familien seien unverzichtbar.