Experten warnen vor Risiken bei Nahrungsergänzungsmitteln

Eine Gruppe von Wissenschaftlern, Ärzten und Verbraucherschützern warnt vor erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsproblemen bei Nahrungsergänzungsmitteln mit sogenannten Botanicals. Dies geht aus einem Brief der Gruppe an das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung sowie an das Bundeswirtschaftsministerium hervor. Darin fordern sie, die ungeregelte Situation mit pflanzlichen, algen-, pilz- oder flechtenbasierten Inhaltsstoffen zu beenden und damit für einen verbesserten Verbraucherschutz zu sorgen.

Die gesetzlichen Vorgaben bei der Anmeldung von Nahrungsergänzungsmitteln seien ungenügend, sagte Andreas Hensel der Nachrichtenagentur dpa. Er ist einer der Unterzeichner des Briefs, Präsident der Gesellschaft für Phytotherapie und leitet an der Uni Münster das Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie. So entstehe oft ein Streit zwischen den Landesuntersuchungsämtern, die auf Probleme hinweisen, und den Anwälten der Firmen, die auf ihre eigenen anderen Analyseverfahren verweisen. »Damit kannst du dich immer herausreden«, sagte Hensel.

30.000 neue Nahrungsergänzungsmittel

Im vergangenen Jahr sind laut Hensel mehr als 30.000 Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland angemeldet worden. Verbraucher sind laut Hensel Risiken ausgesetzt, die sie nicht erkennen können. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, schreiben die Autoren in ihrem Brief und verweisen auf toxikologische Risiken. Die Gesundheit der Verbraucher sei in Gefahr.

In dem Brief fordern die Autoren vom Gesetzgeber, dass Hersteller und Vertriebsfirmen bereits bei der Anmeldung korrekte und verständliche Informationen angeben müssen. Zudem solle es eine kontinuierliche Prüfung von Rohstoffen und fertigen Produkten mit anerkannten Analysemethoden geben. Sie fordern zudem, Gesundheitsversprechen besser zu prüfen. Die Autoren verweisen auch darauf, dass es in anderen Ländern wie etwa der Schweiz, Frankreich oder Belgien für diese Art der Nahrungsergänzungsmittel deutlich schärfere Dokumentationspflichten gebe.