17.03.2026. Auf Social Media werden Nahrungsergänzungsmittel oft mit fragwürdigen Gesundheitsversprechen beworben. Wie eine Umfrage der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch zeigt, wird diese Werbung kaum von den Lebensmittelüberwachungsämtern kontrolliert. Öko Test berichtet.
Foodwatch hat 399 Lebensmittelüberwachungsämter gefragt, ob sie Werbung zu Nahrungsergänzungsmitteln auf Social Media überprüfen. Das Ergebnis ist ernüchternd, so die Verbraucherschutzorganisation: Von den 309 Behörden, die geantwortet haben, gaben mehr als 90 Prozent an, Werbung in sozialen Medien nichtroutinemäßig zu kontrollieren.
Viele Ämter werden demnach nur anlassbezogen nach Beschwerden aktiv. Eine systematische Überwachung finde praktisch nicht statt; mehrere Behörden gaben an, sie würden die Vorfälle gar nicht erfassen. Manche erklärten, personell oder technisch nicht in der Lage dazu zu sein. Ein Amt habe beispielsweise auch gar keinen Zugang zu Social Media. "Bei der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel herrscht in den sozialen Medien Wildwest-Atmosphäre – doch der Sheriff schaut weg", so Dr. Rebekka Siegmann von Foodwatch dazu.
Dabei wären strengere Kontrollen wichtig, so Foodwatch. Im Januar 2026 habe die Organisation 23 Tage lang Instagram-Stories und Posts von 189 Fitness- und Gesundheits-Influencerinnen und Influencern analysiert. 101 davon hätten in 560 Fällen Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel mit konkreten Gesundheitsversprechen beworben.
98 Prozent dieser Versprechen waren aus Sicht von Foodwatch rechtswidrig. Sie hätten gegen die europäische Health-Claims-Verordnung, beziehungsweise die Lebensmittelinformationsverordnung verstoßen. Beide legen fest, wie Gesundheitsversprechen formuliert sein dürfen.
Das Problem mit Influencer-Werbung: Simulierte Vertrautheit, die ausgenutzt werde. Dabei klingen Empfehlungen, als kämen sie von einer guten Freundin oder einem guten Freund. Diagnose, Aufklärung und Verantwortung fehlten dabei oft, zumal Instagram-Stories nach 24 Stunden verschwinden.
Irreführende Gesundheitswerbung führe nicht nur zu Fehlkäufen, sondern könne auch der Gesundheit schaden – zum Beispiel durch Überdosierungen, Einnahme in der Schwangerschaft, obwohl das nicht empfohlen wird, Wechselwirkungen mit Medikamenten oder riskanten Inhaltsstoffen.
Wenn Menschen mit Depressionen oder Krebs auf Kapseln statt ärztliche Hilfe vertrauen, könne das zudem wichtige Behandlungen verzögern. Auch der Verbraucherschutz werde ausgehöhlt, da Marketing die Rolle evidenzbasierter Information übernehme.
Zum gesamten Artikel: https://www.oekotest.de/gesundheit-medikamente/Nahrungsergaenzungsmittel-Behoerden-kontrollieren-Social-Media-Werbung-kaum-_16220_1.html.