Soester Erklärung: Forderungen nach altengerechtem Wohnungsbau und lebendigen Quartieren

08.05.2026. Die Wohnungsfrage entwickelt sich rasant zur zentralen sozialen Herausforderung für ältere Menschen. Angesichts eines dramatischen Mangels an barrierefreien und bezahlbaren Wohnungen hat unser Partner, die Landesseniorenvertretung (LSV) NRW e.V., auf seiner Mitgliederversammlung die „Soester Erklärung“ verabschiedet. Mit sechs Kernforderungen nimmt das Papier Politik, Kommunen und die Wohnungswirtschaft in die Pflicht.

Der fortschreitende Rückgang von Sozialwohnungen bei gleichzeitig stockendem Neubau trifft Senioren besonders hart. Da Marktkräfte allein keine bedarfsgerechte Versorgung sichern können, fordert die LSV NRW einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Vor allem auf kommunaler Ebene muss die Bautätigkeit – unterstützt durch die Bundes- und Landespolitik – gezielt an den realen Bedarf einer alternden Gesellschaft angepasst werden.

„In unserer alternden Gesellschaft sehen wir einen dramatisch wachsenden Bedarf insbesondere an altengerechtem und zugleich bezahlbarem Wohnraum. Die Maßnahmen von Bund und Land müssen dieser Notwendigkeit zum Paradigmenwechsel besser gerecht werden.“ Karl-Josef Büscher, Vorsitzender der LSV NRW

Steigende Mieten bedrohen selbstbestimmtes Wohnen

Wie dringlich der Handlungsbedarf ist, unterstreichen aktuelle Daten des Pestel Instituts („Sozialer Wohn-Monitor 2026“): Bundesweit gibt es rund 5,5 Millionen Seniorenhaushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von unter 2.000 Euro – ein Großteil davon sind Einpersonenhaushalte. Wenn parallel dazu die Angebotsmieten im Bestand sprunghaft ansteigen (zuletzt um 5,9 Prozent im Jahresschnitt laut Deutschem Mieterbund), geraten ältere Menschen zunehmend in finanzielle Nöte. Erzwungene Umzüge in günstigere, aber entlegenere Regionen führen nicht selten zu sozialer Vereinsamung.

Hintergrund & Fakten im Überblick:

  • 5,5 Millionen: So viele Seniorenhaushalte in Deutschland verfügen über ein monatliches Nettoeinkommen von unter 2.000 Euro.

  • +5,9 Prozent: Um diesen Wert stiegen die Angebotsmieten im Bestand zuletzt auf fast 11 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter.

Wohnqualität entscheidet sich auch im Wohnumfeld

Die „Soester Erklärung“ stellt zudem klar: Wohnqualität im Alter entscheidet sich nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern maßgeblich im direkten Wohnumfeld. Zu einer zukunftsfähigen Planung gehört zwingend eine verlässliche, wohnortnahe Infrastruktur zur Nahversorgung sowie ansprechende Orte der Begegnung, um Vereinsamung präventiv zu begegnen.

Hier sind auch die lokalen, ehrenamtlichen Seniorenvertretungen vor Ort gefragt. Durch ihre aktive Teilhabe in der Kommunalpolitik können und müssen sie als wichtige Impulsgeber auftreten, um lokale Verwaltungen und die Politik zu konkreten Handlungsänderungen zu bewegen.

Die gesamte Erklärung und mehr zum Thema „Wohnen im Alter“ finden Sie hier: www.verbraucher60plus.de/wohnen/wohnen-im-alter.