Sonnenschutz-Mythen im Faktencheck

10.08.2026. Und wieder geistern dubiose Sonnenschutz-Mythen durch die sozialen Medien: Öle, die vor Sonnenbrand schützen oder Sonnencremes, die angeblich Krebs erregen sollen. Die Apotheken Umschau klärt auf.

Sonnenschutz sollte eigentlich selbstverständlich sein – und trotzdem kursieren rund um Sonnencreme, Sonnenbaden und UV-Strahlung zahlreiche Mythen durch die sozialen Medien. Kann man mit Lichtschutzfaktor 50 den ganzen Tag in der Sonne bleiben? Bremst Sonnencreme die Vitamin-D-Bildung aus? Und stimmt es, dass Sonnenschutzmittel selbst Krebs erregen können? Hier kommen häufige Behauptungen rund um den Sonnenschutz unter die Lupe. Dermatologinnen und Dermatologen erklären, was stimmt, was nicht stimmt – und wo die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt.

Behauptung: Mit hohem Lichtschutzfaktor kann man den ganzen Tag in der Sonne bleiben

Bewertung: Zur Hälfte wahr

Dass man mit einem hohen Lichtschutzfaktor den ganzen Tag in der Sonne bleiben kann, stimmt leider nur theoretisch. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt generell im Alltag einen hohen Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 30. Am Wasser, in großen Höhen oder im Schnee sogar mindestens LSF 50. Also: im Alltag. Nicht nur im Urlaub oder beim Sport. Immer, wenn die Sonne scheint und man sich draußen aufhalten will.

Ein wichtiger Faktor neben dem LSF ist auch der Hauttyp. Ein Beispiel: „Als heller Hauttyp 1 darf ich zehn Minuten in der Sonne bleiben – und mit einem Lichtschutzfaktor 50 dann theoretisch 50-mal so lange“, erklärt Prof. Christiane Bayerl, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie an der Helios Klinik Wiesbaden. Also 500 Minuten. Oder gute acht Stunden. Das klingt gar nicht mal so wenig.

Es gibt da jedoch ein Problem: „Untersuchungen zeigen, dass wir Sonnenschutzmittel im realen Leben sehr viel schlampiger und dünner auftragen, als man es für Studien macht.“ Um nämlich den Lichtschutzfaktor zu erreichen, der auf der Sonnencremepackung steht, müssten pro Quadratzentimeter Haut mindestens 2 Milligramm Sonnenschutzmittel aufgetragen werden. Das sind gute vier gehäufte Esslöffel Creme für den gesamten Körper! Die meisten Menschen jedoch tragen oft nur 0,39 bis 1,0 Milligramm Creme pro Quadratzentimeter Haut auf.

Okay – kann man damit dann wenigstens halb so lange in der Sonne sein? Leider rechnet sich das weit komplizierter: „Als Faustformel gilt die Wurzel aus der Höhe des Lichtschutzfaktors. Bei LSF 50 kämen wir also auf etwa sieben“, sagt Beyerl. „Bedeutet: Mit hellem Hauttyp und dünnem Auftragen kann ich nur sieben mal zehn Minuten geschützt in der Sonne verbringen.“ Also 70 Minuten, aber nicht den ganzen Tag.

Behauptung: Es gibt gute, natürliche Alternativen zu Sonnencreme.

Bewertung: Überwiegend falsch

Der Wunsch nach natürlichen Sonnenschutzmitteln ist groß, und in sozialen Netzwerken trendet besonders: Kokosöl. Tatsächlich wird beispielsweise Kokosöl oder grünem Tee-Extrakten immer wieder nachgesagt, einen gewissen Lichtschutzfaktor zu haben. Doch der ist viel zu gering, um vor der Sonne schützen zu können. „Kokos- oder andere Öle können auf keinen Fall ein Sonnenschutzmittel ersetzen“, warnt Expertin Bayerl. „Ganz im Gegenteil: Öle auf der Haut könnten sogar einen Hitzestau und Pickel verursachen.“

Manche Menschen fühlen sich wohler, wenn sie statt der gängigen chemischen UV-Filter sogenannte physikalische Sonnenschutzmittel nutzen, die nicht in die Haut einziehen, sondern mit Inhaltsstoffen wie Zinkoxid und Titandioxid auf der Hautoberfläche eine Barriere bilden, die schädliche UV-Strahlen reflektiert.

Behauptung: Im Schatten braucht man keinen Sonnenschutz

Bewertung: Falsch

In einer Umfrage des Bundesamtes für Strahlenschutz gab etwa die Hälfte der Befragten (57 Prozent) an, lange Aufenthalte in der Sonne zu vermeiden oder sich überwiegend im Schatten aufzuhalten (50 Prozent). Was viele immer noch nicht wissen: Auch im Schatten kommt UV-Strahlung an. In einer kalifornischen Studie wurde zum Beispiel verglichen, ob in der Mittagszeit im Schatten eines Baumes mehr UV-Strahlung nachweisbar ist – oder im Schatten eines Sonnenschirms.

Das Ergebnis: Die im Schatten von Bäumen platzierten Sensoren zeigten an, dass noch immer über 5 Prozent der UV-Strahlung erfasst wurden. Die im Schatten von Sonnenschirmen platzierten Sensoren zeigten sogar mehr als 17 Prozent der UV-Strahlung an. „Das liegt daran, dass die Strahlung zum Teil auch von der Seite kommt“, erklärt Experte Emmert. „Am Wasser, Strand oder im Schnee kann die UV-Strahlung durch Reflektionen sogar bis zu 75 Prozent ihrer Stärke erreichen.“ Daher sollte man auch im Schatten immer auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten.

Weitere Mythen und faktenbasierte Erklärungen gibt es im Artikel der Apotheken Umschau: www.apotheken-umschau.de/mein-koerper/haut-und-haare/sonnencreme-mythen-ueber-den-sonnenschutz-im-faktencheck-1124935.html.