Spielsucht erkennen und behandeln

15.05.2026. Spiele ich nur oder bin ich schon süchtig? Vor allem junge Männer werden leicht abhängig vom Kick und schämen sich, professionelle Hilfe zu suchen. Die Apotheken Umschau berichtet.

Mal eben eine Sportwette platzieren, am Automaten zocken oder im Online-Casino sein Glück versuchen – für die meisten ist das erstmal harmlose Unterhaltung. Doch für manche Menschen wird aus dem Spiel Ernst. Sie verlieren die Kontrolle, machen Schulden und verheimlichen ihr Verhalten vor Familie, Freundinnen und Freunden.

Schätzungsweise 1,3 Millionen Menschen in Deutschland sind dem Glücksspielatlas des Bundesgesundheitsministeriums zufolge von Glücksspielsucht betroffen. Das entspricht immerhin 2,3 Prozent der Gesamtbevölkerung zwischen 18 und 70 Jahre und 7,7 Prozent der Menschen, die an Glücksspielen teilnehmen.

Welche Symptome haben Spielsüchtige?

„Aus psychologischer Sicht ist die exzessive Nutzung von Glücksspielen alleine nicht so problematisch“, erklärt Prof. Nina Romanczuk-Seiferth von der Medical School Berlin und Co-Autorin des Fachbuches „Gambling Disorder“. „Entscheidend sind vielmehr der Kontrollverlust über Frequenz und Einsatzhöhe und der Wirkungsverlust des Spiels, also dass, um z.B. die gewünschte Erregung oder Beruhigung zu erreichen, immer mehr Risiko und höhere Einsätze nötig werden.“

Das entspreche der Dosissteigerung bei Substanzsüchten und führe dazu, dass das Glückspiel „quasi sehenden Auges fortgesetzt werden muss“ – obwohl bereits Schulden, Streit mit dem Partner oder Jobverlust im Raum stehen.

Die Expertin erklärt das „Loss Chasing“, also die Verlustjagd, die eingesetzt hat, folgendermaßen: „Nach der Wahrscheinlichkeitstheorie ist es alles andere als plausibel, dass bei einem Glücksspiel erlittene Verluste durch Weiterspielen ausgeglichen werden können.“ Bei einem Süchtigen erhöhten Verluste fatalerweise dennoch den Zwang, weiterzuspielen und mehr zu setzen. „Nicht-Süchtige sind durch einen hohen Verlust eher motiviert, künftig die Finger vom Glücksspiel zu lassen.“

Was sind die Ursachen für Spielsucht?

Bereits vor 20 Jahren haben Hamburger Forscher beim Vergleich der Hirnaktivität von Spielsüchtigen und einer Kontrollgruppe nachgewiesen, dass erstere eine deutlich verringerte Aktivität des Belohnungssystems (Nucleus accumbens) aufwiesen. Immer wenn der Mensch etwas Angenehmes erlebt – ein gutes Essen, ein Kompliment, ein Erfolgserlebnis – schüttet das Gehirn dort den Botenstoff Dopamin aus. Dieses Dopamin erzeugt ein Wohlgefühl und signalisiert uns: „Das war gut, mach das wieder!" So lernen wir, Verhaltensweisen zu wiederholen, die uns nützen.

Bei Menschen mit einer Glücksspielsucht gerät dieses System aus dem Gleichgewicht. Studien zeigen, dass ihr Belohnungszentrum auf normale Alltagsfreuden – etwa ein Stück Schokolade oder ein nettes Gespräch – schwächer reagiert das von Gesunden. Der Kick eines riskanten Einsatzes oder eines Gewinns hingegen löst einen besonders starken Dopamin-Schub aus. Das Gehirn verlangt nach immer intensiveren Reizen, um überhaupt noch ein Belohnungsgefühl zu spüren – ein Teufelskreis, der die Sucht antreibt.

Wo gibt es Hilfe?

Die Landeskoordinierungsstellen Glückspielsucht haben auf ihrer Online-Präsenz sehr viele Hilfsangebote zusammengetragen. Es gibt Links zu Online-Beratungsstellen und die Nummern spezialisierter Telefonberatungen. Eine Suchfunktion für Vor-Ort-Hilfe ist genauso auf der Seite integriert wie eine für Selbsthilfegruppen, aber auch Links zu unterschiedlichen Gruppen und Seiten mit digitalen Selbsthilfeangebote, auch in türkischer, russischer, polnischer und arabischer Sprache. Schließlich sind auch Apps verlinkt, mit denen Betroffene versuchen können, sich selbst zu helfen, sowie Ratgeber und Online-Hilfen. Auch Angehörige von Glücksspielsüchtigen werden fündig.

Zum Artikel der Apotheken Umschau und einem Podcast zum Thema gelangen Sie hier: www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/psychische-krankheiten/spielsucht-erkennen-und-behandeln-symptome-und-therapieerfolg-1504887.html.