Armut unter Senioren ist vielfältig

08.01.2026. Unter dem Motto #KDAgegenArmut ermutigt das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) in einem Artikel, Angebote gegen Altersarmut so zu gestalten, dass sie die Vielfalt älterer Menschen berücksichtigen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt die Armutsgefährdungsquote älterer Menschen ab 65 Jahren in Deutschland bei 19,6 Prozent (vgl. Statistisches Bundesamt 2025). Besonders betroffen sind Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte, Alleinlebende sowie Personen mit gebrochener Erwerbsbiografie. Armut im Alter wirkt nicht isoliert – sie verschränkt sich mit anderen Faktoren wie gesundheitlicher Lage, Bildung, Herkunft oder Diskriminierungserfahrungen. Die Vielfalt älterer Menschen erfordert deshalb differenzierte Analysen und passgenaue wie bedarfsorientierte Unterstützungsansätze (vgl. 9. Altersbericht).

Als vielschichtiges Phänomen betrifft Armut im Alter materielle, soziale und kulturelle Teilhabechancen.

  • Materielle Armut: Geringe Renten, Grundsicherung im Alter, hohe Wohnkosten, steigende Gesundheitsausgaben.
  • Verdeckte Armut: Viele Menschen nehmen keine staatlichen Leistungen (z. B. Grundsicherung) in Anspruch – aus Unwissenheit oder Scham (vgl. BAGSO 2025).

Im Alter verändern sich soziale Netzwerke oft durch den Tod von Partnern, Freunden oder Geschwistern, den Auszug der Kinder oder räumliche Umzüge. Finanzielle Armut kann diese Prozesse beschleunigen oder verstärken. Wer über wenig Einkommen verfügt, hat oft geringere Möglichkeiten, bestehende Kontakte aktiv zu pflegen – etwa durch Besuche, Freizeitaktivitäten oder Vereinsmitgliedschaften.

Abnehmende Mobilität – sei es durch gesundheitliche Einschränkungen oder fehlende finanzielle Ressourcen für private Verkehrsmittel und ÖPNV (vgl. Bäcker & Kistler 2024) – führt zu einer Verengung des sozialen Radius. Hier verstärken sich Armut und Mobilitätseinschränkungen gegenseitig: Wer nicht mobil ist, baut Kontakte schneller ab, und wer weniger soziale Kontakte hat, hat weniger Anreize, mobil zu bleiben.

  • Soziokulturelle Unterschiede beeinflussen, wie Netzwerke aufgebaut und gepflegt werden (z. B. starke Familienorientierung in manchen Kulturen vs. Freundschaftsnetzwerke).
  • Individuelle Lebenslagen – etwa ob jemand in der Stadt oder auf dem Land lebt, welche Sprachen gesprochen werden, ob Barrieren für Menschen mit Behinderungen abgebaut sind – entscheiden darüber, ob vorhandene Mobilitätsangebote tatsächlich nutzbar sind.

Ein einheitliches Angebot reicht also nicht; notwendig sind flexible, kultursensible und barrierefreie Ansätze, um soziale Einbindung zu fördern.

Zum gesamten Bericht: https://kda.de/armut-im-alter-ist-vielfaeltig-intersektionale-perspektiven-in-der-seniorenarbeit/.